6 Zeichen für einen tiefgreifenden Wandel in der technischen Kommunikation
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6 Zeichen für einen tiefgreifenden Wandel in der technischen Kommunikation

Ein Appell an alle Technischen Redakteure

Der Stellenwert der technischen Kommunikation wird von Seiten der Unternehmen notorisch unterschätzt. Statt als wirkungsvolles Instrument, mit dem sich wertvolle Kundenbeziehungen aufbauen lassen, sehen Manager den Bereich oft als notwendige Kostenstelle. Hinzu kommt, dass Technische Redakteure diese negative Sichtweise häufig übernehmen und ihren Aufgabenbereich darauf reduzieren, Verbrauchern Fragen zu Produkten und Fehlerbehebungen zu beantworten. Trotz allem entwickelt sich der Bereich der technischen Kommunikation rapide weiter – mit tiefgreifenden Folgen für technische Redakteure.

Während das Content-Zeitalter weiter an Fahrt aufnimmt, treibt es 6 wichtige Veränderungen an, die die Rolle von Technischen Redakteuren neu definieren und deshalb allen bewusst sein sollten:

  1. Das Erstellen von technischem Content wird vorverlagert und von Ingenieuren und Kollegen aus der Produktentwicklung, technischen Support-Teams und dem Helpdesk übernommen. Durch ein solches Aufsplittern der Inhalte wird es schwieriger, für Konsistenz zu sorgen – sowohl innerhalb der Technischen Redaktion als auch im Vergleich zum übrigen Content der Marke. Darüber hinaus wird dieser Content oft ohne weitere Kontrolle veröffentlicht, wodurch unvollständigen und inkorrekten Informationen freie Bahn bereitet wird. Dies könnte auch die Diskrepanz zwischen hohen Supportkosten und einer niedrigen Zufriedenheit auf Seiten der Kunden erklären.
  2. Engere Budgets führen oft dazu, dass das Erstellen von technischem Content ausgelagert wird. Fehlender Respekt oder mangelndes Verständnis für die Rolle der technischen Kommunikation können dazu führen, dass entsprechende Budgets gestrichen werden. Das wiederum führt oft zu Offshoring oder Outsourcing und schließlich dazu, dass Inhalte von zentralen technischen Ressourcen wie Produktentwicklungsteams sowie der gesamten Content-Strategie abgekoppelt werden.
  3. Content wird zunehmend von Nicht-Muttersprachlern erstellt, besonders wenn Schreibprozesse ausgelagert werden. Die Folgen dieser Entwicklung sind fehleranfälliger und inkonsistenter Content, verwirrende und kostenaufwändigere Übersetzungen und ein mangelnder redaktioneller Überblick. Das Fehlen effektiver Qualitätskontrollen bedeutet auch, dass es schwierig ist, Fehler zu beheben – in den meisten Fällen bleiben diese unkorrigiert.
  4. Content wird zunehmend von Nicht-Muttersprachlern gelesen. Angesichts einer global verteilten und sprachlich heterogenen Leserschaft müssen technische Informationen leicht verständlich sein und nationalen Besonderheiten entsprechen. Eine computerunterstützte Übersetzung kann für die Lokalisierung von technischem Content zwar hilfreich sein, doch dafür bringt sie eigene Schwierigkeiten mit sich, die eine zusätzliche Qualitätskontrolle erforderlich machen.
  5. Engere Zeitpläne erfordern schnellere Turnarounds. Das liegt zum Teil an der Hinwendung zu verschlankten und agilen Entwicklungsprozessen. Diese Prozesse bringen bei einer guten Implementierung zwar gute Ergebnisse ein, doch Technische Redakteure sind meist nicht ins Team integriert und werden erst am Ende einbezogen. Die Vorrangstellung von Kosten und Schnelligkeit führt außerdem dazu, dass technischer Content erst auf Nachfrage von Kunden geschrieben wird und dass Dokumentationen für upgedatete Produktversionen in letzter Minute erstellt werden. So hinkt technischer Content den Entwicklungen oft hinterher.

Technische Redakteure teilen ihre Expertise in sozialen Medien. Statt Content zu erstellen, bevor ein Produkt ausgeliefert wird, reagieren Technische Redakteure in Echtzeit auf Fragen von Kunden, die Social Media als Ergänzung oder sogar als Ersatz für Dokumentationen betrachten. Auch wenn eine solche Partizipation ein wertvoller Beitrag von Technischen Redakteuren sein kann, besteht die Gefahr, dass Unternehmen Social Media als zusätzliche Rechtfertigung dafür sehen, technischen Content weiter zu kürzen.

Als Technischer Redakteur sollten Sie diese einschneidenden Entwicklungen zum Anlass nehmen, sich und den Content, den Sie erstellen, neu zu positionieren. Wenn Sie es schaffen, profitieren nicht nur Sie, sondern auch Ihr Unternehmen davon.

Wie Sie vorgehen sollten? Zunächst sollten Sie anfangen, Ihre Rolle als Technischer Redakteur mit anderen Augen zu sehen. Es ist Zeit, die althergebrachte Auffassung abzulegen, dass technische Kommunikation eine reine Kostenstelle sei – eine Auffassung, die Maßnahmen zu vermeintlichen Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen rechtfertigt und Ihre Funktion marginalisiert.

Das Gegenteil ist der Fall. Die technische Kommunikation kann dazu beitragen, die Umsätze Ihres Unternehmens zu steigern. Sie als Technische Redakteure müssen genau klären, wie Sie strategische Prioritäten Ihres Unternehmens unterstützen können, und diese Fähigkeit sichtbar demonstrieren. Beweisen Sie, dass die Nachfrage für Ihren Content wächst und schließen Sie dabei an die Marketingstrategie Ihres Unternehmens und die Wünsche Ihrer Kunden an.

Erfolgreiche Beispiele dazu gibt es bei Unternehmen wie IBM und Microsoft.
Technische Redakteure spielen eine wichtige Rolle beim Leistungsversprechen von Unternehmen. Um das Potential ihrer Rolle voll auszuschöpfen, müssen sie jedoch überzeugend darstellen, worin der Wert ihrer Arbeit besteht.

Ina Franke

Ina Franke ist Senior Marketing Managerin bei Acrolinx. Acrolinx ist die einzige Software-Plattform, die Content „liest“ und Autoren anleitet, ihn zu verbessern.

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